Rückblick auf das Oktober Webinar «Eutergesundheit, Aktuelles und Praxis»

Luc Gerber, Tierarzt bei Farmconsult und an der Clinique du Vieux-Château, war der erste Referent und erinnerte uns daran, dass die Eutergesundheit nach wie vor eine der grössten Herausforderungen in Milchviehbetrieben darstellt. Euterentzündungen sind die häufigste Erkrankung bei Milchkühen und eine der Hauptursachen für den Einsatz von Antibiotika sowie für den vorzeitigen Abgang von Kühen. Der grösste Teil dieser Kosten ist indirekter Natur und resultiert hauptsächlich aus Produktionsausfällen, vorzeitigen Abgängen und den Auswirkungen auf die Fortpflanzung. Auch subklinische Euterentzündungen stellen eine erhebliche wirtschaftliche Belastung dar, insbesondere aufgrund ihrer Auswirkungen auf die Leistung der Herde sowie die Qualität der Ablieferungsmilch.

Die Gewährleistung der Eutergesundheit ist eine komplexe Herausforderung, die sich aus dem Zusammenspiel zahlreicher Faktoren ergibt, wie beispielsweise der Qualität der Einstreu, den Haltungsbedingungen, der Infrastruktur, dem Immunstatus der Tiere, dem Gesundheitsmanagement der Herde sowie der Organisation des Melkvorgangs und der Funktionsweise der Melkanlage.

Den vorgestellten Studien zufolge lassen sich zwischen 10 und 20 % der Euterprobleme direkt auf das Melksystem zurückführen. Ein effizientes Melken muss eine schnelle Milchentnahme ermöglichen und gleichzeitig die Unversehrtheit der Zitzen sowie den Komfort der Tiere gewährleisten.

Messungen an Melksystemen können wesentliche Erkenntnisse zur Verbesserung der Eutergesundheit liefern. Ob es sich nun um statische Messungen ausserhalb des Melkvorgangs oder um dynamische Messungen handelt – sie ergänzen sich gegenseitig.

In diesem Webinar haben wir uns die Funktionsweise der dynamischen Messungen mit dem Vedia®-Gerät genauer angesehen. Der Vorteil der dynamischen Messungen im Melkstand besteht darin, dass sie es ermöglichen, die Leistung des Melksystems (Standardmelkmaschine oder Melkroboter) unter realen Bedingungen objektiv zu bewerten und bestimmte Fehlfunktionen zu erkennen, die die Eutergesundheit beeinträchtigen könnten. Anhand von vier Fallbeispielen konnten wir den Nutzen dieser Messungen erkennen, die ein ergänzendes Instrument zu einem ganzheitlichen Ansatz darstellen.

Michèle Bodmer, Professorin und Co-Leiterin der Wiederkäuerklinik in Bern, stellte uns anschliessend die neuesten Erkenntnisse zum sinnvollen Management von Mastitis während der Laktation und beim Trockenstellen vor.

Die therapeutische Entscheidung bei einer Mastitis basiert auf mehreren Faktoren wie der Anamnese, der klinischen Untersuchung, dem Schweregrad, den bakteriologischen Befunden und der Gesundheitsgeschichte der Kuh sowie der Herde.

Klinische Mastitis wird in der Regel in drei Schweregrade eingeteilt, um die Behandlungsstrategie entsprechend anpassen zu können. Grad I ist durch eine erhöhte Anzahl somatischer Zellen und eine Veränderung des Milchbildes gekennzeichnet. Grad II zeigt zusätzlich zu diesen Merkmalen ein verhärtetes und vergrössertes Euter. Schliesslich weist Grad III die Anzeichen von Grad II auf und geht mit einer Verschlechterung des Allgemeinzustands der Kuh einher, mit hohem Fieber, Appetitlosigkeit oder sogar der Unfähigkeit, aufzustehen.

Subklinische Mastitiden, die sich ausschliesslich durch einen Anstieg der somatischen Zellzahl äussern, sollten nicht ohne vorherige bakteriologische Untersuchung behandelt werden. In den meisten Fällen reicht eine bakteriologische Kultur aus, um den Erreger zu identifizieren. Eine PCR wird jedoch empfohlen, wenn der Verdacht auf Mycoplasmopsis bovis (früher Mycoplasma bovis) besteht oder wenn eine Typisierung von Staphylococcus aureus erforderlich ist.

Bei subklinischen Mastitisfällen sowie bei klinischen Mastitisfällen des Grades I erfordern Infektionen mit koagulase-negativen Staphylokokken (KNS), Corynebacterium bovis, unspezifischen Streptokokken oder Befunde ohne Bakterienwachstum in der Regel keine Behandlung während der Laktation, im Gegensatz zu Infektionen mit Streptococcus uberis oder Staphylococcus aureus. Jede Entscheidung über eine Behandlung sollte unter Abwägung der Heilungschancen getroffen werden. Faktoren wie das Alter der Kuh, die Anzahl der betroffenen Eutervierteln, das Laktationsstadium, die Mastitis-Vorgeschichte und natürlich der Erreger müssen sorgfältig hinsichtlich einer möglichen antibiotischen Therapie abgewogen werden.

Euterentzündungen des Grades III stellen einen lebensbedrohlichen Notfall dar, und der Einsatz eines Tierarztes ist unerlässlich, um die Überlebenschancen der Kuh zu erhöhen. Die vorgeschlagene Behandlung umfasst zunächst entzündungshemmende Mittel, eine Infusion und systemisch verabreichte Antibiotika; nach Auswertung der bakteriologischen Befunde kann sie je nach Fall durch intramammäre Antibiotika ergänzt werden.

Das selektive Trockenstellen zielt darauf ab, den Einsatz von Antibiotika zu reduzieren, indem Behandlungen den Tieren vorbehalten bleiben, die sie tatsächlich benötigen. Diese Strategie erfordert eine gute Kenntnis des Gesundheitszustands der Kühe durch die Überwachung der Zellzahlen und der Milchanalysen.

Der Erfolg des Trockenstellens beruht auch auf einer angemessenen Vorbereitung, insbesondere durch die schrittweise Reduktion der Milchproduktion vor dem Ende des Melkens.

Dieser Ansatz wird jedoch nicht für Herden empfohlen, die anhaltende Euterprobleme oder eine hohe Verbreitung ansteckender Krankheitserreger wie Staphylococcus aureus aufweisen.

Zusammenfassend sei daran erinnert, dass die Vorbeugung von Euterentzündungen rentabler ist als deren Behandlung. Die Eutergesundheit hängt von zahlreichen Faktoren ab und erfordert bei Problemen einen ganzheitlichen Ansatz. Jede Euterentzündung, ob klinisch oder subklinisch, muss mit einer bakteriologischen Untersuchung einhergehen, da diese ein entscheidender Faktor bei der Wahl der Behandlung ist.

 

- Véronique Schneider, SBS

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