Am 1. Oktober 2021 wurde der neue Rindergesundheitsdienst RGS gegründet. Rindergesundheitsdienst RGD und Kälbergesundheitsdienst KGD wurden unter dem Dach des Vereins Nutztiergesundheit Schweiz zusammengeführt. Das machte grundsätzlich Sinn. Wie ein in der damaligen Strategiegruppe einsitzender Branchenvertrteter jeweils sagte: Kälber sind kleine Rinder.

Was hat sich seither verändert und was hat der Gesundheitsdienst erreicht?
Der ehemalige RGD war stark auf die Tierärzteschaft fokussiert. Die Tätigkeiten umfassten Problembesuche, Weiterbildungsveranstaltungen für praktizierende Tierärztinnen und Tierärzte, Fachauskünfte, Fachartikel sowie praxisnahe Projekte. Es gab keine Gesundheitsprogramme und keine Mitgliedschaften oder Dienstleistungsvereinbarungen.
Der KGD war ein klassischer Gesundheitsdienst mit Tierhaltenden sowie den praktizierenden Tierärztinnen und Tierärzten als Mitglieder. Gesundheitsprogramme wurden in Form von Checklisten mit Ampelsystem aufgebaut und angeboten (hier zu finden: link). Der KGD war jedoch an ein endliches Ressourcenprojekt des BLW gebunden und konnte in nur 6 Jahren kein so grosses Netz aufbauen, dass er sich hätte selbst finanzieren können.
Am 1. Dezember 2020 trat die neue Verordnung über die Unterstützung der Tiergesundheitsdienste (TGDV) in Kraft. Sie hält fest, dass pro Tierart nur ein Gesundheitsdienst unterstützt wird. Die Finanzierung des neuen Rindergesundheitdienstes ist somit dank dieser Verordnung gesichert, falls die in der Verordnung formulierten Anforderungen erfüllt sind. Eine Anforderung ist z.B. das mindestens 20% Eigenmittel erwirtschaftet werden müssen.
Von der Fusion der beiden Gesundheitsdienste haben beide profitiert und sie ist auch gut gelungen. Die Angebote konnten aufrechterhalten und ausgebaut werden. Der Geschäftsführer des KGDs, Martin Kaske, blieb bis zum Ende des Projektes dabei und unterstützt RGS auch heute noch punktuell. Einige der erfahrenen Tierärztinnen des KGD sind ebenfalls geblieben und sorgen dafür, dass der Fokus auf die Kälbergesundheit weiterhin besteht und seine Wichtigkeit behält. Die Problembesuche, Fachberatungen und -Vorträge, - Artikel, Merkblätter und viele Weiterbildungsveranstaltungen werden weiterhin angeboten und auch praxisnahe Projekte werden durchgeführt.
Seit 2022 bietet RGS „Dienstleistungspakete“ für Tierhaltende und Einzeltierärzte/tierärztinnen an, seit 2023 auch für Tierarztpraxen und Partnerfirmen und -organisationen. Seit April 2022 gibt es das monatliche Webinar (immer am 1. Mittwoch im Monat) für Tierhaltende, Tierärztinnen und Tierärzte und weitere Interessierte. Einfache Gesundheitsprogramme wurden gemeinsam mit den Produzentenverbänden im Milchvieh- und Mutterkuhbereich entwickelt.
Allgemein ist die Zusammenarbeit mit den Branchenverbänden, insbesondere den Produzentenverbänden, viel enger und intensiver geworden. Wichtige Gesundheitsthemen werden gemeinsam angepackt. Dies sind zum Beispiel Themen wie der Antibiotikaeinsatz, die Verbreitung von Seuchen oder anderen Infektionskrankheiten sowie Biosicherheitsvorkehrungen auf Betrieben, die vor der Einschleppung von Krankheiten schützen. Verschiedene praxisorientierte Projekte wurden entwickelt. RGS wird gebraucht, unterstützt mit Fachwissen und hilft mit, diese wichtigen Themen weiterzutreiben oder immer wieder auf den Tisch zu bringen.
Der runde Tisch im März 2023, der aufzeigen sollte, dass die Kälbergesundheitsthemen auch nach Ende des KGD-Projektes nicht alle gelöst sind, führte zur Gründung der Task Force Kälbergesundheit, die seither regelmässig tagt. Die Gruppe wichtiger Branchenvertreterinnen und -vertretern suchte nach verschiedenen Ansatzpunkten, um eine nachhaltige Verbesserung zu erreichen. Die Impfung gegen Kälbergrippe kristallisierte sich rasch als eine umsetzbare und bis zu einem gewissen Grad auch überprüfbare Massnahme heraus. Ziel ist die Erreichung einer Herdenimmunität, die nur erreicht werden kann, wenn der grösste Teil der Tiere geimpft ist (mindestens 80%). Folgerichtig wurde eine Impfpflicht für Marktkälber vorgeschlagen. Diese wurde am 27.Januar 2025 als dreijährige Pilotphase von der Fachkommission Viehwirtschaft verabschiedet. Dieses Thema hat die Branche schon seit Jahren beschäftigt. Es ist ein grosser Erfolg, dass diese Massnahme, wenn auch erst provisorisch, in die QM-Richtlinien aufgenommen wurde. Nun gilt es, diese Pilotphase zum Erfolg zu bringen und damit zu zeigen, dass die Rindviehbranche bereit dazu ist, Probleme der Branche, wie den hohen Antibiotikaeinsatz in der Kälbermast, gemeinsam anzupacken. RGS spielt bei der Task Force die Rolle der Organisatorin der Sitzungen und dem fachlichen Input. Weiter hat RGS den Auftrag erhalten, ein Begleitprojekt durchzuführen, um die Pilotphase zum Erfolg zu führen und zu überwachen. 
RGS ist bekannter geworden in den vergangenen Jahren. Das Netzwerk konnte weiter ausgebaut werden. Die Kundinnen und Kunden werden mittels Newsletter aber auch Mailings regelmässig über Aktuelles informiert. Für die praktizierenden Tierärztinnen und Tierärzte steht auch ein What’s App Chat zur Verfügung, wo wichtige Fachfragen diskutiert werden oder auch spezielle Fälle oder Beobachtungen auf den Betrieben ausgetauscht werden.
Vorteilhaft ist auch, dass einige RGS-Tierärztinnen gleichzeitig in Praxen arbeiten. Dadurch kamen Information über die Zunahme an Betrieben mit vielen fieberhaften Kühen und Durchfall sehr früh zu RGS. So konnte RGS diesen Sommer mit dem neuen Shamonda Virus rasch reagieren und handeln. Es wurden entsprechende aktuelle Informationen für Tierhaltende, Tierärztinnen und Tierärzte, Presse und Fachkreise herausgegeben sowie ein Fragebogen für betroffene Tierhaltende erstellt, um Informationen über Ausmass und Verbreitung der Erkrankung in der Schweiz zu erlangen. Durch den regelmässigen engen Kontakt mit den zuständigen Laboren konnten ausserdem spezielle Konditionen für die Untersuchungskosten erreicht werden. RGS übernahm eine Drehscheibenfunktion und konnte sein Netzwerk nutzen, um Unterstützung zu leisten auf den Betrieben und in den Praxen. RGS hat auch die Labore und die amtlichen Stellen mit dem Geschehen im Feld verbunden und, gemeinsam mit weiteren Fachleuten und direkt Betroffenen, Lösungen für die neuen Probleme gesucht.
Leider war es RGS nicht möglich, in den letzten 5 Jahren ein Gesundheitsprogrammes für Milchvieh, Mutterkühe oder Kälber im Markt zu etablieren. Ein Gesundheitsprogramm bringt dem Betrieb immer etwas. Das gemeinsame Gespräch und die Analyse von Daten können Gesundheitsprobleme rasch aufdecken und gemeinsam können Massnahmen ergriffen werden. Im guten Fall kann man gemeinsam mit der Bestandespraxis auch die positive Entwicklung anschauen und weitere Ziele ins Auge fassen. Nicht jeder Betrieb sieht den Nutzen eines solchen Vorgehens, da die Erfolge meist erst mit Verzögerung deutlich sichtbar werden und auch wirtschaftlich zu Buche schlagen. Um diesen ersten Schritt in Richtung Prävention zu machen, hat RGS sehr einfache „Einstiegs“-Gesundheitsprogramme entwickelt (Basis-Gesundheitsprogramme). Ohne einen Anreiz im Markt ist es aber sehr schwierig etwas Neues zu Etablieren auf den Betrieben, auch wenn ein solches Gesundheitsprogramm hilft, Krankheiten vorzubeugen und Probleme oder Schwachstellen zu erkennen. Die Checklisten können aber z.B. für sinnvolle Tierarzneimittel-Besuche verwendet werden und stehen frei zur Verfügung auf der RGS-homepage.
Der Markt gibt momentan zu wenig her, um einen Mehrwert für solche Gesundheitsprogramme zu generieren. Tatsache ist aber, dass es noch ein grosses Potential für Optimierungen gibt auf vielen Betrieben. RGS wird sich weiterhin darum bemühen, diese Gesundheitsprogramme und Checklisten zu propagieren und hofft, dass der Nutzen früher oder später auch im Feld und im Markt erkannt wird. Herzlichen Dank an alle, die mithelfen auf diesem steinigen Weg weiterzukommen.
RGS ist seit 5 Jahren unterwegs, hat sich noch nicht so stark in die Breite entwickelt, wie wir uns das wünschen würden, aber hat durchaus seinen Platz in der Branche gefunden und sich etabliert. RGS wird weiterhin versuchen, da zu unterstützen, wo das Fachwissen und die Angebote von RGS mithelfen können, die Rindergesundheit zu erhalten oder zu verbessern. Gute Ideen für noch fehlende Angebote sind immer willkommen.
Wir bedanken uns an dieser Stelle bei unseren Geldgebern, unseren Kundinnen und Kunden und Partnern und bei allen Menschen, welche die wichtigen Aufbauarbeiten während der vergangenen 5 Jahre unterstützt haben. Und zuletzt möchte ich mich auch aufrichtig bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von RGS und KGD bedanken, welche die Aufbauarbeiten des neuen Gesundheitsdienstes und die Dienstleistungen von RGS und KGD über die vergangenen Jahre mitgetragen haben.
- Judith Peter-Egli, operative Leiterin RGS