Zeitbudgets von Milchkühen in einem Kuh-Kalb-Kontaktsystem mit automatischem Melken

Teresa Johansson 1, Sigrid Agenäs 2 3, Mikaela Lindberg 2
1Department of Animal Breeding and Genetics, Swedish University of Agricultural Sciences, 750 07 Uppsala, Sweden
2Department of Animal Nutrition and Management, Swedish University of Agricultural Sciences, 750 07 Uppsala, Sweden
3The Beijer Laboratory for Animal Science, Swedish University of Agricultural Sciences, Uppsala, Sweden
https://doi.org/10.3168/jdsc.2023-0401

Short Communication Health, Welfare, and Behavior


Eine aktuelle Studie der Schwedischen Universität für Agrarwissenschaften untersuchte, wie sich der Kontakt zwischen Kuh und Kalb auf das Verhalten von Milchkühen in einem modernen Laufstall mit automatischem Melksystem (AMS) auswirkt. Hintergrund der Untersuchung ist das wachsende Interesse an kuhgebundener Kälberaufzucht als tierwohlorientierte Alternative zur üblichen Trennung direkt nach der Geburt. Während in der konventionellen Milchviehhaltung Kuh und Kalb meist innerhalb von 24 Stunden getrennt werden, ermöglicht das sogenannte Cow-Calf-Contact-System einen längeren direkten Kontakt zwischen Muttertier und Kalb.

Für die Studie wurden insgesamt 37 Milchkühe der Rassen Swedish Holstein und Swedish Red beobachtet. 19 Kühe blieben bis zu vier Monate nach der Geburt mit ihren Kälbern zusammen, während 18 Kühe innerhalb der ersten 24 Stunden nach dem Abkalben von ihren Kälbern getrennt wurden. Alle Tiere wurden im gleichen Stall mit automatischem Melksystem gehalten.

Der Tierverkehr im Stall folgte einem halb-gelenkten "Feed-first"-Prinzip: Der Zugang zur Fressachse war frei, der Zugang zu den Liegeboxen bzw. zum Kälberkontaktbereich wurde jedoch über ein Selektionstor gesteuert, das melkfällige Kühe zunächst zum Melkroboter leitete. Die Kühe mit Kälberkontakt konnten ihre Kälber im vorgesehenen Kontaktbereich aufsuchen, säugen und soziale Interaktionen zeigen – standen sie jedoch zum Melken an, war ein direkter Zugang zu den Kälbern erst nach dem Melkvorgang wieder möglich. Die Kälber hatten keinen Zugang zum gesamten Stall.

Das Verhalten der Tiere wurde mithilfe von Videoaufzeichnungen, Aktivitätssensoren und Daten aus dem Melkroboter analysiert.

Im Mittelpunkt der Studie stand die Frage, wie die Kühe ihre tägliche Zeit auf verschiedene Aktivitäten verteilen. Erfasst wurden unter anderem Fresszeiten, Liegezeiten, Bewegungsaktivität, Aufenthaltsorte im Stall sowie soziale Kontakte. Die Ergebnisse zeigten deutliche Unterschiede zwischen den beiden Gruppen. Kühe mit Kälberkontakt verbrachten weniger Zeit mit dem Fressen als die Kühe ohne Kälberkontakt. Dennoch blieb die tatsächliche Futteraufnahme gleich hoch. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Kühe effizienter beziehungsweise schneller frassen.

Ausserdem verbrachten die Kühe mit Kälberkontakt weniger Zeit in den Liegeboxen und hatten weniger soziale Kontakte zu anderen Kühen. Gleichzeitig fiel auf, dass sie deutlich mehr Zeit im Wartebereich vor dem Melkroboter verbrachten. Im Durchschnitt warteten die Kühe mit Kälberkontakt rund 2,4 Stunden täglich vor dem Melkroboter, während die getrennten Kühe dort nur etwa 1,2 Stunden verbrachten. Die Autoren vermuten, dass die Stallgestaltung dabei eine Rolle spielte: Die Kälberbereiche befanden sich hinter dem Wartebereich, wodurch die Kühe offenbar häufiger in der Nähe ihrer Kälber bleiben wollten.

Trotz dieser Unterschiede zeigte sich ein wichtiger Aspekt besonders positiv: Die tägliche Liegezeit unterschied sich kaum zwischen den Gruppen. Beide Gruppen lagen rund zwölf Stunden pro Tag, was als optimal für Gesundheit und Wohlbefinden von Milchkühen gilt. Auch die Anzahl der Liegephasen blieb vergleichbar. Damit gab es keine Hinweise darauf, dass die Kühe durch den zusätzlichen Kontakt zu ihren Kälbern in wichtigen Grundbedürfnissen eingeschränkt wurden. Deutliche Unterschiede gab es hingegen bei der Milchmenge im Melkroboter. Kühe ohne Kälberkontakt gaben durchschnittlich 37,8 Kilogramm Milch pro Tag im Melksystem, während Kühe mit Kälberkontakt nur auf etwa 21,2 Kilogramm kamen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ein Kuh-Kalb-Kontaktsystem auch in modernen Betrieben mit automatischem Melken grundsätzlich praktikabel sein kann. Zwar verändert sich das Zeitbudget der Kühe in einigen Bereichen, jedoch ohne erkennbare negative Auswirkungen auf das Tierwohl. Gleichzeitig betonen die Forschenden, dass noch viele Fragen offen sind – etwa zur optimalen Dauer des Kontakts zwischen Kuh und Kalb, zur Gestaltung des Absetzens oder zu möglichen Anpassungen im Stallmanagement. Die Studie liefert damit wichtige Erkenntnisse für die Weiterentwicklung tiergerechter Haltungssysteme in der Milchviehhaltung.

 

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