Fieberhafte Durchfallerkrankungen bei Milchkühen

In den letzten Tagen wurden aus verschiedenen Regionen der Schweiz viele Fälle von akut auftretenden Durchfallerkrankungen bei Milchkühen gemeldet. Es sind pro Betrieb mehrere Tiere betroffen, wobei die Symptome sehr unterschiedlich schwer ausgeprägt sind, auch von festliegenden Tieren und Todesfällen wurde berichtet. Die meisten Tiere erholen sich jedoch mit einer unterstützenden Therapie, erreichen aber nicht mehr die Milchleistung von vor der Erkrankung.

Bisher konnte die Ursache dieser Krankheitsfälle nicht sicher diagnostiziert werden. Aufgrund der Hitzewelle in den letzten Wochen – insbesondere in Verbindung mit hoher Luftfeuchtigkeit - wird davon ausgegangen, dass der Hitzestress der Tiere mindestens zum Ausbruch der Krankheit beiträgt. Jedoch kann auch Hitzestress alleine Durchfall auslösen. Da die Haut mehr durchblutet wird, um die Hitze aus dem Körper zu leiten, können andere Organe wie der Magen-Darm-Trakt und die Nieren eine Minderdurchblutung erfahren. Die Magen- und Darmwände werden zudem durchlässiger (sog. „leaky gut“), was zu einer Blutvergiftung und Multiorganschäden führen kann. Durch eine Verminderung der Wiederkautätigkeit gehen zudem Puffersubstanzen verloren. So kann es zu einer Pansenübersäuerung kommen, ohne dass an der Fütterung etwas geändert wurde. Auch in diesen Fällen kann Durchfall als Symptom auftreten.

Es ist ebenso möglich, dass schon vorhandene Erreger, die normalerweise kaum Krankheitssymptome auslösen würden, vom geschwächten Immunsystem der Tiere profitieren und es so zu schwereren Verläufen kommt (sog. opportunistische Infektionen). Dazu gehören beispielsweise das bovine Coronavirus, welches sonst eher im Winter auftritt (bekannt als Winter-Dysenterie) oder auch Salmonellen-Erkrankungen. Im aktuellen Geschehen wurde nach Rückmeldungen aus der Praxis nur in Einzelfällen das bovine Coronavirus im Kot nachgewiesen. Es kann sich also auch nur um eine Begleiterkrankung handeln, da dieses Virus in der Rinderpopulation endemisch vorkommt. Die bisher im Feld von den praktizierenden Tierärzteschaft durchgeführten Untersuchungen auf Blauzungenvirus und Salmonellen waren ebenfalls negativ.

Für akut betroffene Betriebe empfehlen wir ein systematisches Vorgehen: Neben der genauen Untersuchung und symptomatischen Behandlung der erkrankten Tiere empfiehlt sich die Anfertigung eines Blutbildes, um den Schweregrad sowie allfällige Elektrolytverschiebungen ausfindig zu machen. Eine Untersuchung auf die bekannten Durchfallerreger sollte ebenfalls durchgeführt werden.

Futter und Wasser müssen auf Verunreinigungen untersucht werden, insbesondere bei Silage und Quellwasser besteht hier ein erhöhtes Risiko. Weder die Mischration, noch Einzelkomponenten sollten hygienisch Mängel wie Erwärmung etc. aufweisen. Die Ration sollte eine hohe Verdaulichkeit aufweisen, durch den Zusatz von Puffern kann zusätzlich dem Risiko einer Übersäuerung entgegengewirkt werden. Mischrationen in Mischwagen sollten mind. einmal täglich frisch angesetzt werden.

Sollten Anzeichen für Hitzestress wie pumpende Atmung, verlängertes Stehen oder das Suchen nach Zugluft zu sehen sein, muss für Abkühlung gesorgt werden. Eine effektive Massnahme ist die Kuhdusche, wobei das Tier bis auf die Haut nass werden muss, in Verbindung mit Grossraumlüftern, welche die entstehende Verdunstungsfeuchte wegtransportieren. Eine Kuhdusche kann kurzfristig mit einem Schlauch, in welchen Löcher geschnitten werden, einfach selber hergestellt werden. Kuhduschen sollten nicht in der Nähe von Liegeboxen oder Liegeflächen installiert werden. Diese müssen trocken bleiben, um das Risiko von Eutererkrankungen zu minimieren. Bei den vorliegenden Fällen kann bis jetzt nicht mit Sicherheit gesagt werden, welche Rolle der Hitzestress im Krankheitsgeschehen spielt. Die Massnahmen gegen die Hitze tragen jedoch zu einer besseren Gesundheit und schnelleren Genesung bei und sind somit in jedem Fall angezeigt.

Wichtig ist zudem zu verstehen, dass die Stoffwechsel-Folgen von Hitzestress nicht sofort nach Ende der Hitzeperiode aufhören. Es ist erwiesen, dass die Symptome bis zu 2 Wochen nach der Hitzeperiode noch anhalten können.

Landwirte sind aufgefordert, ihre Ställe für zukünftige Hitzeperioden anzupassen. Insbesondere ein hoher Hitzestress-Index (Temperature-Humidity-Index THI) ist für die Kühe sehr belastend.

War oder ist Ihr Betrieb betroffen? Haben Sie einen betroffenen Betrieb betreut? Zur Aufarbeitung der Fälle wäre es sehr hilfreich, wenn Sie kurz folgenden Fragebogen ausfüllen könnten:

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Eine deutsche Zusammenfassung dieses Artikels finden Sie hier

 

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