Zusammenfassung von den Referate am Forum Milchproduktion und Verarbeitung, Agroscope, Liebefeld am 27.11.2025

Agroscope hat eine Studie über die Kompatibilität automatischer Melksysteme (AMS) mit der Produktionskette von AOP-Käse gemacht. Der Einsatz von AMS ist in einigen Sortenorganisationen von AOP-Käse erlaubt, in anderen jedoch verboten. Die Sortenorganisationen mit einem Verbot befürchten einen Imageschaden für die Branche und eine verminderte Milchqualität. Auf der anderen Seite stehen die Milchroduzent*innen, für die die Milchproduktion für AOP Käse, trotz hohem Milchpreis immer unattraktiver wird, weil die Milchproduktion sehr Zeitintensiv ist. Die Studie untersuchte die Auswirkungen von AMS auf die Milchqualität, den Bezug zur Ursprungsregion, die bakterielle Biodiversität und soziale Aspekte. Ausserdem untersuchte Agroscope mit der Gruppe Consumer behaviour der ETH Zürich das Image von AMS bei Konsumierenden. Dies soll als wissenschaftliche Grundlage für das BLW im Bereich der Verwaltung von AOP-IGP dienen. Ein spezielles Augenmerk der Studie war auf freien Fettsäuren (FFA), welche Ranzigkeit im Käse verursachen können. Zu Beginn der Studie wurde vermutet, dass mit AMS gewonnene Milch mehr FFA hat als im Melkstand gewonnene Milch. Die Studie zeigte, dass die Schwankungen bei AMS Milch deutlich höher sind. Sowohl im Positiven wie auch im Negativen. Der FFA Gehalt hängt von vielen Faktoren ab wie z.B. dem alter der Melkanlage, Milchmenge pro Kuh und Melkung, der Anzahl gemolkener Kühe sowie Art und Zeitpunkt der Milchkühlung. Die Zwei Studien der ETH zeigen, dass es generell eine positive Wahrnehmung von Konsumierenden gegenüber Smart Farming Technologien gibt, zu denen AMS zählt und dass die daraus Produzierten Produkte von der Bevölkerung akzeptiert werden. Die Konsumierenden haben eine neutrale Haltung zu AMS. Viele befragte Personen sehen AMS positiv, Adjektive wie intelligent, interessant und cool sind in der Befragung gefallen. Auch die Arbeitserleichterung wurde oft genannt. Auf der anderen Seite wird das Tierwohl in Frage gestellt. Die Konsumierenden haben Assoziationen wie Tierquälerei und unpersönlich.

Der Hintergrund für die Forschungstätigkeit in diesem Gebiet ist der Wunsch nach einer Graslandbasierten Milch- und Fleischproduktion (GMF), wofür es seit 2014 Direktzahlungen gibt. Auch im Kontext des Absenkpfad Stickstoff, um Stickstoffverluste zu reduzieren und der neuen Bio Suisse Verordnung, welche nur noch Schweizer Kraftfutter erlaubt (momentan keine Bio CH Proteinkonzentrate verfügbar), stellt sich die Frage, wie sich eine Proteinreduktion auf die Milchproduktion, Gesundheit und Fruchtbarkeit von Milchkühen auswirkt. Milchkühe mit einer getreidebasierten Kraftfutterergänzung zeigten im Vergleich zu einer proteinbasierten zu Beginn der Laktation eine tiefere energiekorrigierte Milchleistung und einen tieferen Milchfettgehalt. In der Mitte und zu Ende der Laktation zeigten sich keine signifikanten Unterschiede. Zu Beginn der Laktation war auch der Milchharnstoff signifikant tiefer mit der getreidebasierten Kraftfutterergänzung, jedoch noch knapp im Normbereich. Harnstoff dient als Indikator für Stickstoffverlust, das lässt darauf schliessen, dass die getreidebasierte Kraftfutterergänzung weniger Stickstoffverluste mit sich bringt. Die Zellzahlen, Indikator für die Eutergesundheit, waren signifikant höher mit der getreidebasierten Kraftfutterergänzung. Alle anderen gemessenen Werte unterschieden sich über die ganze Laktation nicht. Eine Auswertung der Behandlungen und Fruchtbarkeitskennzahlen steht noch aus. Die Resultate zeigen, dass eine Reduktion der Proteinergänzung in GMF zu Leistungseinbussen führen kann. Wie sich die GMF weiterentwickeln wird, ist noch unklar. Ziel sollte aber die bedarfsgerechte Versorgung der Milchkühe sein

Milch ist mehr als nur ein Lebensmittel: Sie spiegelt die biochemischen Prozesse der Kuh wider und kann als „Datenträger“ genutzt werden. Statt aufwendiger und teurer Messungen von Stickstoffeffizienz, Methanemissionen oder Futterverzehr am Einzeltier könnten wir künftig eine schnelle, kostengünstige Methode, die Infrarotspektroskopie (MIRS) einsetzen. Sie nutzt die regulären Milchproben, die ohnehin im Rahmen der Milchleistungsprüfung genommen werden, ohne jeden Zusatzaufwand für die Landwirt*innen. Erste Ergebnisse deuten darauf hin, dass MIRS Zusammenhänge zwischen der Milchzusammensetzung und den genannten Merkmalen erkennen kann.

Die Methode ist bereits weit entwickelt und wird derzeit noch verfeinert. Ihr Potenzial liegt darin, dass sie künftig helfen kann, Effizienz und Umweltwirkungen einfacher und kostengünstiger zu bewerten und das ohne zusätzliche Proben oder Messungen.

Wenn sich die Methode bei den Einzeltieren bewährt, könnte die Technik langfristig sogar auf Milchtankproben angewendet werden, um die betriebsweiten Emissionen und den Futterverzehr zu schätzen. Damit würde sie zu einem praktischen Werkzeug, um Ressourcen effizienter zu nutzen und die Umweltbilanz des Betriebs zu optimieren.

 

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