Im Herbst-Workshop von RGS standen die wichtigsten Aspekte der Kälbergesundheit im Mittelpunkt. Ein besonderer Fokus wurde auf die Beurteilung der gängigen Milchaustauscher und den Umgang mit Tränkeautomaten gelegt.
Der Theorieteil begann mit einem Referat von Charlotte Waldvogel (RGS), in welchem sie näher auf die Grundbedürfnisse von Kälbern einging. Bereits die Galtphase des Muttertieres hat einen Einfluss auf die Gesundheit des Kalbes. Neben dem Kolostrum ist auch die Übergangsmilch wichtig und trägt zu einer geringeren Erkrankungswahrscheinlichkeit der Kälber bei. Die Verdauung des jungen Kalbes ist auf Vollmilch ausgerichtet. Je jünger das Kalb, desto wichtiger ist es deshalb, dass die Zusammensetzung des Milchaustauschers jener der Kuhmilch ähnelt. In den ersten Lebenswochen sollten deshalb keine Milchaustauscher mit pflanzlichen Proteinträgern eingesetzt werden. Je älter das Kalb wird, desto wichtiger ist die Aufnahme von Festfutter. Eine frühe Gabe von Raufutter und Sozialkontakt fördern diese Aufnahme. Das zweite Referat von Helen Huber (RGS) befasste sich mit der Kälbergesundheit. Sowohl Durchfall als auch Pneumonien sind typische Faktorenkrankheiten. Nicht die Erreger sind das Hauptproblem, sondern die Haltung, Fütterung und Sauberkeit auf dem Betrieb. Zentral sind eine gute Immunabwehr durch die Aufnahme von ausreichend hochwertigem Kolostrum, eine Tränkemenge von mindestens 8 Litern und die Versorgung des Muttertieres mit genügend Spurenelementen. Bei einem Betrieb mit vermehrt Durchfall müssen die Hygiene-Verhältnisse überprüft werden. Bei einem Bestandesproblem mit Pneumonien sollte der Schwerpunkt der Massnahmen nicht nur auf die Optimierung des Stallklimas gelegt werden, sondern auch auf die Verhinderung von neonatalem Durchfall und das Tränkemanagement. Mit verschiedenen Fallbeispielen wurde der Vortrag abgerundet. In einem weiteren Referat befasste sich Charlotte Waldvogel mit Gesundheitsproblemen beim Anfüttern und Abtränken der Kälber. Am besten erfolgt das Abtränken nach Gewicht und Gesundheitszustand. Wichtig ist, dass dieses möglichst schonend erfolgt, die Milchmenge also langsam reduziert wird. Um einen Wachstumsknick zu verhindern, müssen Kälber beim Abtränken über 1.5 kg Festfutter pro Tag aufnehmen. Aus diesem Grund sollte ab der 1. Lebenswoche ein qualitativ hochwertiges und schmackhaftes Beifutter zusätzlich zur Milch angeboten werden. Ideal ist ein Kälber-Mash.
In einem zweiten Teil des Tages referierte Markus Stucki von Melior über Milchaustauscher und verschiedene Tränkesysteme. Anhand der Zusammensetzung lässt sich ein hochwertiger Milchaustauscher von einem mittelmässigen unterscheiden. Beim Tränkeplan wichtig ist eine intensive Tränkephase bis zum Alter von 6-7 Wochen, gefolgt von einem langsamen Abtränken mit Absetzen im Alter von 3 – 4 Monaten. Die Hygiene am Tränkeautomaten ist entscheidend. Zudem sollte dieser regelmässig kalibriert werden. In einem praktischen Teil konnten die Tierärzte selbst am Tränkeautomaten Hand anlegen und das im Theorieteil Erlernte durch Ausprobieren an eigens dafür mitgebrachten Steuerungseinheiten anwenden.
Autorin: Christina Widmer RGS