Therapeutische Alternativen bei der Behandlung von Euterentzündungen bei Rindern
Angesichts der zunehmenden Grenzen der Antibiotikatherapie (Antibiotikaresistenzen, Rückstände, Störung der Mikrobiota) ist die Suche nach Alternativen zur Behandlung von Euterentzündungen bei Rindern eine große Herausforderung, insbesondere vor dem Hintergrund einer Reduzierung des Einsatzes von antimikrobiellen Mitteln. Es wurden mehrere nicht-antibiotische Ansätze untersucht.
Die Phytotherapie ist dabei am intensivsten erforscht (≈73 % der aktuellen Veröffentlichungen). Sie umfasst Pflanzenextrakte und ätherische Öle mit antimikrobiellen, entzündungshemmenden und immunmodulierenden Eigenschaften. Zahlreiche Verbindungen zeigen in vitro eine Wirksamkeit, die teilweise mit der bestimmter Antibiotika vergleichbar ist und in Kombination synergistische Effekte aufweist. Die In-vivo-Daten sind jedoch nach wie vor begrenzt und uneinheitlich (Debruyn et al., 2025; Touza-Otero et al., 2024).
Die Homöopathie weist trotz praktischer Vorteile (keine Rückstände, geringe Kosten) keine soliden klinischen Wirksamkeitsnachweise auf und bleibt umstritten (Francoz et al., 2016; El Sayed und Kamel, 2021).
Probiotika bieten durch die Modulation der Mikrobiota und des Immunsystems einen theoretischen Nutzen. Die verfügbaren klinischen Studien belegen jedoch keine Überlegenheit oder Gleichwertigkeit gegenüber Antibiotika, und das Risiko von Euterentzündungen schränkt ihren Einsatz ein (Rainard und Foucras, 2018).
Bakteriozine sind von Bakterien produzierte antimikrobielle Peptide (z. B. Nisin) und weisen eine gezielte antibakterielle Wirkung auf, auch gegen Biofilme und resistente Stämme, mit vielversprechenden Ergebnissen sowohl in der Prävention als auch in der Behandlung, die teilweise mit denen von Antibiotika vergleichbar sind (Angelopoulou et al., 2019; Cheng und Han, 2020).
Bakteriophagen stellen dank ihrer Spezifität und Wirksamkeit gegen multiresistente Bakterien eine innovative Alternative dar. Einige In-vivo-Studien zeigen ermutigende Ergebnisse, doch bestehen weiterhin technische Einschränkungen (Stabilität, Wirkungsspektrum, Immunantwort) (Saeed et al., 2024).
Schließlich weisen andere Ansätze (Lactoferrin, immunmodulierende Substanzen, Nanomaterialien) ein großes Potenzial auf, sind jedoch noch unzureichend erforscht.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass derzeit keine Alternative allein die Antibiotika ersetzen kann, doch bestimmte Ansätze (Phytotherapie, Bakteriozine, Phagen) erscheinen vielversprechend, insbesondere im Rahmen von Kombinationsstrategien. Strenge klinische Studien und die Bewertung von Rückständen sind weiterhin erforderlich.
Bullenhaltung und Gesundheitsrisiken in der Rinderzucht
Der Freitagvormittag stand ganz im Zeichen der Reproduktion, mit besonderem Schwerpunkt auf der Mutterkuhhaltung und dem Management des Bullen. Hier folgt eine Zusammenfassung von drei besonders relevanten Vorträgen.
1. Das Stiermanagement in der Rinderzucht: eine Chance für den Tierarzt (C. Joly)
Der Einsatz von Bullen in der Rinderzucht ist nach wie vor weit verbreitet, insbesondere in der Mutterkuhhaltung, aber auch in erheblichem Maße in der Milchviehhaltung. Diese Praxis, die oft als einfache Alternative zur künstlichen Besamung (KB) angesehen wird, stellt jedoch eine eigenständige Fortpflanzungsmethode dar, die eine strenge fachliche Begleitung erfordert.
Der Referent betont, dass diese Situation dem Tierarzt ein bedeutendes Betätigungsfeld eröffnet, wobei er seine Tätigkeit auf vier Risikoarten ausrichtet: gesundheitliche, genetische, reproduktive und sicherheitsrelevante Risiken.
Aus gesundheitlicher Sicht stellt der Stier einen potenziellen Überträger für die Einschleppung und Verbreitung zahlreicher Krankheitserreger dar, insbesondere durch sexuelle Übertragung oder über den Samen. In Frankreich sind die unter die Vorschriften fallenden Krankheiten relativ gut unter Kontrolle, doch eine Vielzahl nicht unter die Vorschriften fallender Erkrankungen (Q-Fieber, Mykoplasmosen, Campylobacteriose, Trichomoniasis usw.) wird nach wie vor unterschätzt.
Das Gesundheitsmanagement basiert daher auf einem methodischen Ansatz, der die Kenntnis des Gesundheitsstatus der Herde, in die der Bulle aufgenommen werden soll, die systematische Quarantäne des Bullen bis zum Vorliegen der Untersuchungsergebnisse sowie gezielte serologische Untersuchungen (Coxiellose, BVD, Mykoplasmen) und eine Untersuchung auf Infektionen des äußeren Genitaltrakts (Präputialspülung) umfasst.
Auf genetischer Ebene führt der wiederholte Einsatz desselben Zuchttiers zu einer Verringerung der genetischen Variabilität sowie zu einem Anstieg des Inzuchtgrads und einem Risiko der Verbreitung genetischer Defekte. Dieses Risiko muss im Rahmen eines Zuchtplans bewertet werden.
Das Risiko der Unfruchtbarkeit stellt eine große Herausforderung dar: Im Gegensatz zu einem unfruchtbaren Weibchen wirkt sich ein unfruchtbarer Bulle auf die gesamte Herde aus. Die klinische Beurteilung stützt sich auf drei Aspekte: eine vollständige klinische Untersuchung im Ruhezustand, die auch die Kontrolle des Bewegungsapparats, den Hodensackumfang (Zielwert: 32 cm im Alter von 1 Jahr) sowie die Untersuchung der inneren Geschlechtsorgane umfasst. Der zweite wichtige Aspekt besteht in einer Beurteilung während der Paarung (Kontrolle des Sexualtriebs). Die Spermaanalyse erfordert ihrerseits etwas Material und fundierte Erfahrung und kann durch eine frühzeitige Trächtigkeitsdiagnostik bei gedeckten Kühen und Färsen ersetzt werden, um die Fruchtbarkeit des Bullen zu beurteilen.
Schließlich ist das Unfallrisikomanagement sowohl für die Züchter als auch für die Tiere wichtig. Die Einbeziehung ethologischer Erkenntnisse, die Einrichtung geeigneter Fixierungsvorrichtungen und die frühzeitige Erziehung des Bullen sind Schlüsselelemente zur Vermeidung von Unfällen mit Menschen. Was die Tiere betrifft, so ist darauf zu achten, rutschige Böden zu vermeiden, zu große Größenunterschiede zwischen Stier und weiblichen Tieren zu vermeiden und eine Überlastung zu verhindern, indem pro Lebensmonat des Stiers nur ein weibliches Tier gedeckt wird.
Der Referent kommt zu dem Schluss, dass die Betreuung des Bullen eine strategische Chance für den Tierarzt darstellt, um ein umfassendes Dienstleistungsangebot im Bereich der Reproduktion aufzubauen.
2. Stier und Gesundheitsrisiken: Welche ergänzenden Untersuchungen sind sinnvoll? (L. Guilbert-Julien, S. Chastant)
Dieser Vortrag bot einen analytischen Überblick über die diagnostischen Instrumente zur Beurteilung der Rolle des Bullen bei Fortpflanzungsstörungen.
Der Stier wird als potenzielles asymptomatisches Reservoir für zahlreiche Infektionserreger dargestellt, was seine systematische Einbeziehung in die Untersuchungen bei Unfruchtbarkeit oder ungeklärten Aborten in einer Herde rechtfertigt.
Die Referenten gehen detailliert auf die wichtigsten Kategorien der beteiligten Krankheitserreger ein:
Der Vortrag verdeutlichte die Vielfalt der nutzbaren biologischen Probenmaterialien und deren diagnostischen Wert. Beispiele hierfür sind Blut (Serologie, PCR), die Spermaanalyse und die Scheidenspülung, die eine sehr aussagekräftige Probe darstellt.
Die Wahl der Technik hängt vom vermuteten Erreger ab: So erfolgt beispielsweise der Nachweis der genitalen Campylobacteriose bei Rindern und der Trichomoniasis mittels einer Scheidenspülung, gefolgt von einer Kultivierung auf spezifischen Nährmedien. Ein positiver PCR-Befund ermöglicht es, den Stier direkt mit der Ätiologie der Störungen in Verbindung zu bringen, während eine einfache Seropositivität lediglich ein Hinweis ist.
Die Autoren weisen zudem auf die technischen Anforderungen bei der Probenentnahme hin (Transportbedingungen, Fristen, spezifische Nährmedien), die die Qualität der Diagnose beeinflussen.
Zusammenfassend betont der Artikel, dass die Untersuchung des Bullen bei Fortpflanzungsstörungen in Betrieben, die natürliche Deckung praktizieren, systematisch erfolgen muss. Der Tierarzt muss die spezifischen Probenentnahmetechniken beherrschen und sein diagnostisches Vorgehen an den jeweiligen Kontext anpassen.
3. Trichomoniasis bei Rindern: Wann besteht Verdacht und wie ist vorzugehen? (L. Roques et al.)
Die durch Tritrichomonas fetus verursachte Trichomonose bei Rindern ist weltweit eine bedeutende Geschlechtskrankheit, wird jedoch in europäischen Betrieben häufig nicht ausreichend diagnostiziert.
Der Parasit besiedelt den Genitaltrakt des Bullen, in der Regel asymptomatisch, wobei eine chronische Trägerschaft bei älteren Zuchttieren begünstigt wird. Bei weiblichen Tieren ist die Infektion vorübergehend, hat jedoch schwerwiegende Folgen: Unfruchtbarkeit, Verlängerung des Brunstintervalls, frühe Embryonalsterblichkeit und manchmal Fehlgeburten.
Klinischer Verdacht
Sofern keine anderen Ursachen vorliegen, sollte bei Anzeichen einer Verschlechterung der Reproduktionsleistung – wie einer sinkenden Trächtigkeitsrate oder einer Verlängerung des Zwischenkalbezeitraums in Verbindung mit dem Einsatz von Bullen bei der natürlichen Paarung – die Möglichkeit einer Trichomoniasis in Betracht gezogen werden.
Da die Erkrankung beim Stier oft asymptomatisch verläuft, ist die Diagnose umso komplexer. Sie stützt sich hauptsächlich auf die Spülung der Penishülle beim Stier und die Kultivierung des Parasiten oder die PCR. Bei weiblichen Tieren können gegebenenfalls Vaginalabstriche entnommen werden, jedoch nur, wenn diese spätestens 2 bis 4 Monate nach der Infektion erfolgen, da Kühe und Färsen den Parasiten in diesem Zeitraum ausscheiden.
Bei Bullen ist eine Wiederholung der Probenahmen aufgrund der zeitweiligen Ausscheidung des Parasiten erforderlich.
Die Bekämpfung der Trichomoniasis basiert auf strengen Maßnahmen wie der Keulung infizierter Bullen, die chronische Träger sind, dem Einsatz der künstlichen Besamung zur Unterbrechung des Übertragungszyklus sowie der Umsetzung von Biosicherheitsmaßnahmen beim Kauf von Tieren. Es gibt keine Behandlung gegen diese Parasiten.
Zu den Präventionsmaßnahmen gehören die systematische Untersuchung der Bullen vor ihrer Einstallung, die Einschränkung des Tierhandels sowie die Überwachung der Reproduktionsleistung.
Als Fazit dieser drei Vorträge lässt sich die zentrale Rolle des Bullen in der Rinderzucht hervorheben, aber auch seine kritische Bedeutung für die Verbreitung von Krankheitserregern und die Steuerung der Reproduktionsleistung.
Bei Fortpflanzungsstörungen in einem Betrieb ist ein systematischer und ganzheitlicher Ansatz unerlässlich, der unter anderem die Bewertung der Fütterung, der Unterbringung und aller gesundheitlichen Aspekte umfasst. Dies setzt einen multidisziplinären Ansatz voraus, der klinisches Fachwissen, geeignete Diagnosemittel und Betriebsberatung vereint, wobei der Tierarzt als Schlüsselakteur auftritt und seine Rolle in Betrieben, die natürliche Deckung praktizieren, voll zur Geltung bringen kann.
Autorin Véronique Schneider RGS