Rückblick auf unser Webinar im März: Streuströme

Pascal Python von AGRIDEA eröffnete den Abend mit dem Hinweis darauf, dass Streuströme (oder Kriechströme) unbeabsichtigte, unerwünschte und unkontrollierte Ströme sind, die über leitfähige Teile von Gebäuden, Anlagen oder im Boden fließen. Es handelt sich um einen Strom mit geringer Intensität, der schwer wahrnehmbar und messbar ist, aber erhebliche Auswirkungen auf Kühe haben kann, wie Verhaltensstörungen, verminderte Futteraufnahme, erhöhte somatische Zellzahl, verminderte Milchleistung, schlechte Fruchtbarkeit und eine Verschlechterung des Immunsystems. Die Ursache für Streuströme kann innerhalb des Gebäudes (z. B. schlechte Erdung) oder außerhalb (z. B. eine Trafostation in der Nähe des Betriebs) liegen. Es ist jedoch wichtig, eine vollständige und systematische Analyse des Betriebs durchzuführen, um andere mögliche Ursachen für die aufgetretenen Probleme auszuschließen.

Anschliessend stellte Herr Python uns die Informationsplattform zum Thema Streuströme der AGRIDEA vor. Diese und enthält viele Informationen und dient vor allem der Vermittlung von Fachleuten. Es ist unerlässlich, dass die Diagnose von einem zertifizierten Experten gestellt wird. Mehrere Experten aus den Bereichen Tiergesundheit, Landwirtschaft, Bauwesen und Technik haben an der Entwicklung der Plattform mitgewirkt, um ein breites Spektrum an verschiedenen Problemen im Zusammenhang mit Streuströmen abzudecken. So wurde ein Entscheidungsbaum erstellt, um einen systematischen Ansatz für die verschiedenen Probleme zu haben.

Auf der Plattform können auch mehrere Erfahrungsberichte zu bestätigten oder nicht bestätigten Fällen gelesen werden.

Link zur Plattform: Informationsplattform Streustöme

Information für Landwirte im Kanton Waadt: Seit dem 1.1.26 unterstützt der Kanton Waadt die Diagnose von Streuströmen, sofern die Betriebe in der Nähe einer Anlage zur Erzeugung erneuerbarer Energie liegen und die Diagnose von einem ASCE-zertifizierten Experten durchgeführt wird. Alle nützlichen Informationen finden Sie hier

Der Abend wurde mit der Vorstellung eines Betriebs fortgesetzt, der mit einem grossen Problem durch Streuströme konfrontiert war, das zum einen auf die geografische Lage des Gebäudes in der Nähe einer Mittelspannungsleitung und der Eisenbahnlinie und zum anderen auf den Bau eines an den Hof angrenzenden Hauses zurückzuführen war. Nach zahlreichen Änderungen wie einer zentralen Erdung, der Isolierung der Leitungen und der Umstellung auf das TT-Netz konnte das Problem gelöst werden, was zu einer deutlichen Verbesserung der Gesundheit der Tiere und ihrer Milchleistung führte. Es ist wichtig zu bedenken, dass Kühe mehrere Wochen oder sogar Monate brauchen, um wieder Vertrauen zu fassen und zu einem normalen Verhalten zurückzufinden.

Johan Corminboeuf vom Schweizerischen Verband für die Kontrolle elektrischer Anlagen beantwortete anschließend verschiedene Fragen und betonte, dass Streuströme im Rahmen der offiziellen Kontrollen nicht gemessen werden können, da sie zu schwach sind.

Véronique Schneider von RGS stellte zwei Fälle vor, wo anfangs der Verdacht bestand, dass Streuströme die Ursache für Probleme seien, einerseits für einen Anstieg der somatischen Zellen in der Milch andrerseits für Verhaltensauffälligkeiten. Letztendlich lag die Ursache für die Probleme jedoch ganz woanders. Im ersten Fall handelte es sich um eine zu schnelle Umstellung der Melkroutine vom direkten Melken auf das Melken mit einem Melkroboter, im zweiten Fall um eine schlechte Gestaltung des Melkstands. Wir wurden daran erinnert, dass Kühe viel mehr Zeit als Menschen brauchen, um sich an Lichtveränderungen zu gewöhnen, und dass sie weder hohe Stufen noch 90°-Kurven oder laute Geräusche mögen. Den Link zum Video des Kuhsichtsimulators finden Sie hier

Benoit Genoud von Casei schloss das Webinar mit einer Präsentation über die Melktechnik mit praktischen Empfehlungen, beispielsweise zur richtigen Auswahl einer Zitzengummi. Er erinnerte uns daran, dass gute Melkpraktiken (wie das Wegwerfen der ersten drei sehr keimreichen Spritzer) bei Melkproblemen unerlässlich sind. Anschließend stellte er uns dynamische Messungen vor, die helfen können, ein ungeklärtes Problem im Melkprozess zu verstehen. Denn die Wahl der Zitzenbecher, die Einstellung des Vakuums, des Pulsators und der automatischen Abnahme haben einen direkten Einfluss auf die Gesundheit des Euters und die Qualität der Milch.

Streuströme sind glücklicherweise noch immer eher die Ausnahme als die Regel in den Ställen, aber ihre Auswirkungen sind beträchtlich. Das Bewusstsein für dieses Problem ist mittlerweile weit verbreitet, und es gibt Experten, die Landwirte und Tierärzte bei Verdacht auf das Vorhandensein dieser Störströme unterstützen.

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