Sarah Schmitt, Vetsuisse-Fakultät Zürich, begann mit allgemeinen Informationen zur Tuberkulose. Die Erreger der Rindertuberkulose (Mycobacterium bovis und M. caprae) gehören neben dem humanen Tuberkulose Erreger (M. tuberculosis) zu dem Mycobaterium tuberculosis-Komplex (MTBC). Auf Grund ihrer komplexen wachsartigen Zellwand haben Mykobakterien eine hohe Widerstandsfähigkeit in der Umwelt. Bei Tieren der Rindergattung, Büffeln und Bisons ist die Tuberkulose eine auszurottende Seuche. Seit 2013 gibt es in der Schweiz das Lymphknoten-Monitoring (LyMON). So werden im Rahmen der Fleischkontrolle auffällige Lymphknoten weiter untersucht, ohne dass gleich ein TBC-Verdacht ausgesprochen werden muss. Bei symptomatischen Verdachtsfällen auf einem Betrieb gibt es eine technische Weisung zum Nachweis von Tuberkulose. Infiziert sich ein Tier mit Tuberkulose, so kommt es zunächst zu einer Immunreaktion, welche mittels Intrakutan Test und der Interferon-y-Test zwischen 1-6 Wochen nach der Infektion nachgewiesen werden kann. Klinische Symptome und der direkte Nachweis des Erregers mittels Real-time PCR oder die kulturelle Anzucht sind erst viel später möglich.
«Die Tuberkulosebekämpfung ist eine Herausforderung für den Veterinärdienst». So sprach Norbert Greber, Amtstierarzt des Lands Vorarlberg, über mehrere positive Schlachtbefunde in den Bezirken Bregenz und Dornbirn in den Jahren 2025 und 2026 die zu der Anordnung der Bestandskeulung führten. Durch die Untersuchung des Wildbestands konnte beispielsweise im Gebiet Süd (Bludenz) eine Prävalenz von 9.6% über alle untersuchten Proben gefunden werden, im am stärksten betroffenen Gebiet aber eine Prävalenz von 39,7 %. Das Vorkommen des Erregers im Wildbestand hat Auswirkung auf die Massnahmen der Bekämpfungsstrategie beim Viehbestand. Es zeigte sich jedoch auch, dass die topographische Situation einen deutlichen Einfluss auf die Prävalenz im Viehbestand hat. Im Bezirk Bludenz, wo es 55 Fälle bei Rotwild gab, war nur ein Nutztierbestand betroffen. Im Bezirk Bregenz, wo es «nur» 5 Fälle bei Rotwild gab, waren 5 Tierbestände betroffen. Bregenz hat eine intensive Alpwirtschaft, so dass es zu einem engeren Kontakt zwischen Wildtieren und dem Viehbestand kommt. Schlussendlich ist das intensive TBC-Monitoring beim Rotwild eine Belastung und grosse Herausforderung für den Veterinärdienst. Es braucht eine gute Organisation, eine effiziente Durchführung, regelmässige Öffentlichkeitsarbeit und das Konfliktpotential durch verschiedene Interessensgruppen ist extrem hoch.
Auch in der Schweiz führten die positiven Fälle in Vorarlberg zu Anpassungen in der Seuchenüberwachung. Claudio Paganini (ALT Graubünden) präsentierte die Massnahmen und Ergebnisse von Untersuchungen im Beobachtungsgebiet. Für das Jagdjahr 2025 wurden im Beobachtungsgebiet folgende Probenahme angesetzt: Im Feld werden von der Jägerin/vom Jäger Darm-Lymphknoten und Lungenflügel entnommen. An der Vorzeigestelle werden durch die/den amtlichen Tierarzt/ärtzin oder die Wildhut die Kiefer-Lymphknoten entnommen. Zum Schluss werden die tracheobronchialen Lymphknoten für die Beprobung entnommen. Alle Proben werden mittels PCR und Kultur überprüft. Die Herausforderung in der Umsetzung der Probestrategie ist die Unterteilung der Jagdsaison in Hochjagd und Sonderjagd. Bei der ca. 3 Wochen dauernden Hochjagd gibt es viele und dem Veterinäramt nicht bekannte Jäger und keine Vorzeigepflicht. Die Sonderjagd dauert nur einzelne Tage bzw. Halbtage, die Jäger müssen sich anmelden und es gibt eine Vorzeigepflicht. Die Ergebnisse der Untersuchungen zeigten, dass lediglich 12% der Abschüsse während der Hochjagd, jedoch 100% der Sonderjagd beprobt wurden. Insgesamt konnten die Vorgaben der technischen Weisung erfüllt werden und es wurde keine positive Probe gefunden.
Zum Abschluss des Webinars wurden die Abklärungen der Rindertuberkulose in der Ostschweiz von 2013 von Adrian Fäh (AVSV, St. Gallen) näher beleuchtet. Der erste Seuchenfall wurde am Schlachthof in Wil bei einer vierjährigen Kuh festgestellt. Die Untersuchungen zeigten, dass sich dieses Tier während der Sömmerung in Vorarlberg infiziert hat. Auf Grund dessen wurden weitere Untersuchungen durchgeführt, um Kontakttiere bzw. Kontaktbetriebe zu finden. Der intensive Austausch von Tieren führte zu drei weiteren Seuchenfällen. Der Ausbruch zeigte, wie hoch das Risiko durch den Transport von Tieren sein kann und wie wichtig und hilfreich eine lückenlose Dokumentation ist.
Das Webinar zeigte auf, wie nahe diese altbekannte Seuche immer noch ist und wie gross der Abklärungsaufwand ist beim Auftreten eines Verdachtsfalles oder auch bei der Überwachung durch die Veterinärämter.