Am vergangenen 31. August trafen sich rund 30 Personen auf dem Betrieb von Marc Schertenleib in Vuillens, um sich über die Probleme auszutauschen, mit denen der Landwirt seit der Unterbringung seiner Milchkühe in einem neuen Stall zu kämpfen hat.
Diese 2021 eingeweihte Anlage, die eigentlich ein hervorragendes Arbeitsinstrument sein sollte, verwandelte sich schnell in einen wahren Albtraum mit dem Verlust von sehr vielen Tieren. Die beobachteten Symptome waren vielfältig, standen jedoch alle im Zusammenhang mit einer erheblichen Schwächung des Immunsystems und verliefen ungünstig. Der Bericht des behandelnden Tierarztes lässt niemanden unberührt.
Zur Erinnerung: Streuströme (oder parasitäre Ströme) sind unbeabsichtigte, unerwünschte und unkontrollierte Ströme, die überleitende Teile von Gebäuden, Anlagen oder im Boden fliessen. Es handelt sich um Ströme mit geringer Stromstärke, die schwer wahrnehmbar und messbar sind, aber erhebliche Auswirkungen auf Rinder haben können, wie beispielsweise Verhaltensstörungen, eine verminderte Futteraufnahme, eine erhöhte Anzahl somatischer Zellen, einen Rückgang der Milchleistung, eine verminderte Fruchtbarkeit und eine Schwächung des Immunsystems. Rinder reagieren besonders empfindlich auf diese Ströme.
Um seine Erfahrungen weiterzugeben und möglichst viele Menschen für diese Problematik zu sensibilisieren, brachte Marc Schertenleib Landwirte, Tierärzte, Elektriker, Fachleute für den Bau von Stallgebäuden sowie mehrere Vertreter aus der Politik an einen Tisch.
Über die sehr technischen Aspekte hinaus, die im Laufe des Nachmittags behandelt wurden, ergaben sich mehrere wichtige Erkenntnisse.
Bei Verdacht auf Probleme im Zusammenhang mit Streuströmen ist es unerlässlich, kompetente Fachleute hinzuzuziehen, die in dieser besonders komplexen Problematik geschult sind. In diesem Zusammenhang hat Agridea eine Plattform (https://agripedia.ch/streustroeme) eingerichtet, die es ermöglicht, eine Selbstdiagnose durchzuführen und mit Experten auf diesem Gebiet in Kontakt zu treten.
Diese Plattform stellt zudem eine Liste zur Verfügung mit anerkannten Experten für die Abklärung von Streustromproblemen. Die Plattform und die Checkliste wurden 2023 aktualisiert und berücksichtigen insbesondere die Erkenntnisse aus den Untersuchungen auf dem Betrieb von Herrn Schertenleib.
Ausserdem wurde eine Stiftung gegründet, um Landwirten zu helfen, die von den Folgen von Streuströmen schwer betroffen sind: Startseite – Stiftung Henny
Es sei auch daran erinnert, dass sich einige Kantone, darunter der Kanton Waadt, an der Finanzierung von Untersuchungen im Zusammenhang mit Streuströmen beteiligen.
Angesichts der Vergrösserung der Betriebe, der Entwicklung moderner Stallhaltungen, der Installation von Photovoltaikmodulen und der zunehmenden Anzahl elektrischer Geräte, insbesondere von Melkanlagen, ist die Problematik der Streuströme aktueller denn je. Sie verdient es, bei jedem ganzheitlichen Ansatz berücksichtigt zu werden, der darauf abzielt, wiederkehrende Gesundheitsprobleme innerhalb einer Herde zu verstehen.
Es bleibt jedoch unerlässlich, den Überblick zu bewahren und zu vermeiden, sich ausschliesslich auf die Streuströme als Ursache für Probleme zu konzentrieren, da sonst die Gefahr besteht, andere mögliche Ursachen zu vernachlässigen. Bei diesem Vorgehen kann Rindergesundheit Schweiz Sie begleiten.
- Véronique Schneider, RGS