Autoren: Kononov A, Byadovskaya O et al.
Titel: Non-vector-borne transmission of lumpy skin disease virus
Zeitschrift: Scientific Reports, 2020, https://doi.org/10.1038/s41598-020-64029-w
Die Lumpy-Skin-Krankheit der Rinder (Lumpy Skin Disease, LSD) ist eine Viruserkrankung mit erheblichen gesundheitlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen, die als hauptsächlich durch Insektenvektoren übertragen gilt. Das Auftreten von Ausbrüchen ausserhalb der für Insekten günstigen Jahreszeiten lässt jedoch auf alternative Übertragungswege schliessen. Ziel der vorliegenden Studie war es, experimentell die Fähigkeit eines virulenten rekombinanten Virus, das von einem Impfstamm (LSDV Saratov/2017) abgeleitet wurde, zu untersuchen, sich ohne Insektenvektor zwischen Rindern zu verbreiten.
Material und Methoden
Der Versuch wurde über 60 Tage in einem geschlossenen, insektenfreien Stall durchgeführt.
Es wurden drei Gruppen junger Bullen beobachtet:
Die Tiere wurden angebunden gehalten. Die Tiere der Gruppen C1 und C3 wurden jeweils auf die Tiere der Gruppe IN verteilt.
Es wurden täglich klinische Untersuchungen (Temperaturmessung, Beurteilung der Hautläsionen), PCR-Analysen, ELISA, Virusneutralisationstests und Zellkulturen durchgeführt.
Ergebnisse
Die mit LSD-Virus inokulierten Tiere (Gruppe IN) entwickelten die typischen Anzeichen der Lumpy-Skin-Krankheit mit Fieber und ausgedehnten Hautläsionen. Eine Virämie sowie eine anhaltende Virusausscheidung konnten nachgewiesen werden.
Beide Kontaktgruppen (C1 und C3) zeigten ebenfalls klinische Symptome, die auf LSD hindeuteten, und das Virus konnte im Blut sowie in den Mund-, Nasen- und Augensekreten nachgewiesen werden. Eine fortschreitende Übertragung der Krankheit innerhalb beider Gruppen konnte nachgewiesen werden, obwohl keine Insekten vorhanden waren, was eine vektorvermittelte Übertragung ausschliesst.
Die Ergebnisse deuten auf eine Übertragung durch direkten und indirekten Kontakt hin, wahrscheinlich über Sekrete, Hautkrusten und gemeinsam genutzte Ausrüstung (Tränken, Futtertröge). Eine Übertragung über Tränken wurde bereits in anderen Studien nachgewiesen (Sprygin et al. 2018, Haig 1957, Tuppurainen 2012).
Diskussion
Die genetische Rekombination zwischen einem attenuierten Lebendimpfstoff-Stamm und einem Feldstamm kann dem Virus neue Eigenschaften verleihen, insbesondere in diesem Fall eine erhöhte Übertragungsfähigkeit durch direkten und indirekten Kontakt. Es ist folglich zu vermuten, dass, wenn ein LSD-Virus die Fähigkeit besitzt, sich ohne Vektor zu verbreiten, daraus abgeleitet werden kann, dass andere Stämme diese Fähigkeit in unterschiedlichem Masse ebenfalls besitzen.
Die im Artikel beschriebenen Bekämpfungsstrategien umfassen die Bekämpfung der Insektenvektoren, die Impfung sowie Transportbeschränkungen für Vieh. Nach Ansicht der Autoren sollte jedoch die indirekte Übertragung über Futter, Wasser oder Einstreu stärker berücksichtigt werden.
Schlussfolgerung
Diese Studie bestätigt, dass sich das Virus der Lumpy-Skin-Krankheit mit einem attenuierten Lebendimpfstoff-Virus rekombinieren und Eigenschaften entwickeln kann, wie beispielsweise eine effiziente Übertragung ohne Vektor. Dies stellt die bisher bekannten Übertragungsmodelle in Frage und unterstreicht die Notwendigkeit, Präventions- und Kontrollmassnahmen neu zu bewerten.