Mehr Wiederkauen, bessere Kühe? Analyse genetischer Parameter zur täglichen Wiederkäuzeit bei Holstein-Kühen rund um die erste Kalbung

W. Lou,1,2,3 A. van der Linden,3 Y. Wang,1* and B. Ducro2 1State Key Laboratory of Animal Biotech Breeding, National Engineering Laboratory of Animal Breeding, Key Laboratory of Animal Genetics, Breeding and Reproduction, Ministry of Agriculture and Rural Affairs, College of Animal Science and Technology, China Agricultural University, Beijing, 100193, China, 2Animal Breeding and Genomics Group, Wageningen University & Research, 6700 AH, Wageningen, the Netherlands, 3Animal Production Systems Group, Wageningen University & Research, 6700 AH, Wageningen, the Netherlands

J. Dairy Sci. 109:5417–5427

https://doi.org/10.3168/jds.2025-27826


Wie viel eine Kuh wiederkaut, könnte künftig eine noch wichtigere Rolle in der Zucht spielen. Eine aktuelle Studie untersuchte, wie sich die Wiederkauaktivität von Holstein-Rindern rund um die erste Kalbung genetisch einordnen lässt – und welche Zusammenhänge zu Gesundheit, Fruchtbarkeit und Milchleistung bestehen.

Mehrere Studien haben bereits belegt, dass das Wiederkauverhalten als Indikator für Leistung, Gesundheits- und Allgemeinzustand von Milchkühen genutzt werden kann. Die neue Untersuchung ging nun einen Schritt weiter und analysierte erstmals die genetischen Grundlagen der täglichen Wiederkauzeit (Daily Rumination Time, DRT) rund um die erste Kalbung sowie deren Beziehungen zu wichtigen Produktions- und Fruchtbarkeitsmerkmalen.

Für die Untersuchung wurden Daten von 3.517 Holstein-Rindern ausgewertet. Mithilfe sensorbasierter Halsbänder erfassten die Forschenden die tägliche Wiederkauzeit in verschiedenen Phasen vor und nach der Kalbung – von 60 Tagen vor bis 60 Tagen nach dem ersten Kalben. Die Wiederkauaktivität wurde dabei in mehrere Zeitabschnitte unterteilt, um Veränderungen rund um die Geburt genauer analysieren zu können.

Ziel war es herauszufinden, ob sich Unterschiede im Wiederkauverhalten genetisch erklären lassen und ob diese Merkmale künftig in der Zucht genutzt werden könnten. Die Ergebnisse zeigen deutlich: Die Wiederkauaktivität ist in einem gewissen Mass erblich. Die geschätzten Heritabilitäten lagen je nach Zeitraum zwischen 0,06 und 0,62, wobei insbesondere die Phase kurz vor der Kalbung höhere genetische Einflüsse zeigte.

Besonders auffällig war der Zusammenhang zwischen hoher Wiederkauaktivität nach der Kalbung und positiven Leistungsmerkmalen. Tiere mit längeren Wiederkauzeiten zeigten tendenziell höhere Milchleistungen, eine bessere Fruchtbarkeit sowie eine geringere Anfälligkeit für Erkrankungen in den ersten Wochen nach dem Kalben. Die genetischen Zusammenhänge mit Milchleistung, Besamungsintervallen und Krankheitsraten waren zwar meist gering bis moderat, deuteten aber konsistent in eine positive Richtung.

Auch vor der Kalbung lieferten die Daten interessante Hinweise. Veränderungen oder ungewöhnlich niedrige Wiederkauzeiten könnten laut Studie mit einem erhöhten Risiko für Schwergeburten oder gesundheitliche Belastungen zusammenhängen. Wiederkaumuster vor dem Kalben könnten daher künftig genutzt werden, um potenzielle Probleme frühzeitig zu erkennen und Rinder gezielter zu überwachen.

Die Forschenden sehen grosses Potenzial, Sensordaten stärker in das Herdenmanagement und die Zuchtwertschätzung einzubinden. Moderne Sensorsysteme liefern bereits heute kontinuierlich Informationen zum Verhalten der Tiere. Werden diese Daten konsequent genutzt, könnten Landwirte Gesundheitsprobleme früher erkennen, die Tierbetreuung verbessern und gleichzeitig die Wirtschaftlichkeit ihrer Betriebe steigern.

 

Autorin Josie Siegel RGS

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