Das November-Webinar von RGS befasste sich mit der Problematik des nachhaltigen Managements der Magen-Darm-Strongyliden (Magen-Darm-Würmer) bei Rindern und stellte das PARVET-Projekt vor, das von Pamela Staehli vom FiBL im Kanton Waadt durchgeführt wird.
Hintergrund für die Durchführung dieses Projekts war die Feststellung, dass zwischen den Forschungsergebnissen und der aktuellen Praxis eine grosse Diskrepanz besteht. Studien zeigen nämlich, dass die Umweltauswirkungen von makrozyklischen Laktonen (wie zB Eprivalan®, Noromectin®) besorgniserregend sind (Whode et al. 2016, Verdù et al. 2018) und dass die Resistenzen gegen diese Moleküle zunehmen. Darüber hinaus ist festzustellen, dass die Ressourcen an Anthelminthika (gegen Würmer wirksame Medikamente) begrenzt sind, da die Suche nach neuen Molekülen nur langsam voranschreitet. Das Vorprojekt hat gezeigt, dass im Kanton Waadt Resistenzen gegen Anthelminthika vorhanden sind, glücklicherweise jedoch nicht in so starkem Ausmass, wie in anderen weltweiten Studien bei kleinen Wiederkäuern beschrieben. Diese Resistenzen betreffen insbesondere topisch (äusserlich) verabreichte makrozyklische Laktonverbindungen (Pour-on). Eine Umfrage unter Tierärztinnen und Tierärzten im Kanton hat gezeigt, dass nur wenige Tierärzte einen vernünftigen Ansatz verfolgen. Das PARVET-Projekt hat sich zum Ziel gesetzt, Tierarztpraxen und Tierhaltende bei einem vernünftigen Umgang mit Magen-Darm-Strongyliden zu unterstützen. Es lief von 2022 bis 2024. Es fand ein Besuch mit der Projektleiterin, dem Bestandestierarzt bzw. der Bestandestierärztin und dem Tierhaltenden statt, um eine Strategie für den Umgang mit Magen-Darm-Strongyliden zu erörtern.
Um Magen-Darm-Strongyliden bestmöglich bekämpfen zu können, ist es wichtig, ihren Lebenszyklus genau zu kennen.
Zur Erinnerung: Rinder infizieren sich durch die Aufnahme einer infektiösen L3-Larve, die sich zu L4, L5 und schließlich zum adulten Stadium entwickelt, in dem sie sich fortpflanzt. Die Weibchen beginnen mit der Eiablage. Die Eier werden mit dem Kot ausgeschieden, schlüpfen darin und entwickeln sich zu L1, L2 und schließlich zu L3. Die Larve L3 wandert aus dem Kot heraus und klettert auf Grashalme. Damit schließt sich der Kreislauf. L3 hat eine Besonderheit: Um für sie ungünstige Bedingungen zu überstehen, umhüllt sie sich mit einer Hülle, die sie jedoch auch am Fressen hindert, sodass sie auf ihre Reserven zurückgreifen muss. Unter optimalen Bedingungen (die Larven mögen Wärme und Feuchtigkeit) dauert der Zyklus 21 Tage. Die Risikoperiode für die Tiere liegt bei etwa 4 bis 10 Wochen nach Beginn des Weidegangs.
Glücklicherweise sind Rinder in der Lage, eine wirksame Immunität gegen diese Parasiten zu entwickeln. Es dauert etwa 8 Monate effektiver Kontaktzeit (EKZ), bis sie eine ausreichende Immunität entwickelt haben, um sie vor klinischen Symptomen zu schützen. Die Herausforderung besteht darin, die Rinder mit den Parasiten in Kontakt zu lassen, ohne dass ihr Immunsystem überfordert wird. Es wird ein Gleichgewicht der Kräfte angestrebt.
Verschiedene Mittel ermöglichen diesen nützlichen Kontakt, ohne die Tiere zu vielen Parasiten und damit einem Auftreten von Symptomen auszusetzen, die ihr Wachstum beeinträchtigen.
Eine gemischte Weide mit Pferden ermöglicht es, den Parasitendruck zu verringern, oder auch eine abwechselnde Beweidung entweder mit Pferden oder mit immunisierten Rindern (z. B. ausgewachsenen Tieren). Ein Zwischenmähen kann ebenfalls die Anzahl der parasitären Larven verringern.
Derzeit wird empfohlen, Tiere nach einer Entwurmung nicht direkt auf eine Weide zu bringen, die frei von Magen-Darm-Würmern ist. Ziel ist es, eine Selektion resistenter Würmer zu vermeiden. Es ist wichtig, den Begriff „Refugium” zu berücksichtigen. Dieser Begriff fasst die Tatsache zusammen, dass man eine gemischte Population aus resistenten und empfindlichen Würmern erhalten möchte. Als Refugium können gesunde, nicht entwurmte Tiere und Weiden, die nicht von entwurmten Tieren genutzt werden, dienen. L4-Larven, die den Winter in den Tieren in einem Ruhezustand verbringen, fallen ebenfalls in diese Kategorie.
Für die Laboranalysen wurden im Rahmen des Projekts Kotprobenuntersuchungen (Anzahl der Eier pro Gramm = Epg) sowie Blutproben zur Messung des Pepsinogens verwendet. Letzteres ist eine Vorstufe des Pepsins im Labmagen (ein Verdauungsenzym). Verletzungen der Schleimhaut führen zu einem Anstieg des Pepsins im Blut. Dieser Wert kann zur Einschätzung des Ostertagia-Befalls (eine Magen-Darm-Wurmart) bei Jungtieren in der ersten Weidezeit herangezogen werden.
Für das Parvet-Projekt waren die Kombination dieser Laboranalysen sowie die Messung der durchschnittlichen Tageszunahmen (TZN) ausschlaggebend für die Entscheidung über eine Behandlung. Behandlungen wurden empfohlen, sobald die Anzahl der Eier pro Gramm Kot 300 bei Einzeltieren und 200 bei Gruppen (Pools) überschritt und/oder sobald die Pepsinogenwerte im Serum 2000 mUTyr überstiegen. (mUTyr = Maßeinheit für Pepsinogen = Millieinheit von Tyroxin)
Die Ergebnisse des Projekts zeigten, dass in den untersuchten Betrieben kein massiver Druck durch Magen-Darm-Strongyliden besteht. Die Weidebewirtschaftung ist gut. In den meisten Fällen konnte auf Anthelminthika verzichtet werden, ohne dass dies Auswirkungen auf die durchschnittlichen Tageszunahmen hatte.
Ein Film, der auf einem am Projekt teilnehmenden Betrieb gedreht wurde, vermittelt die positiven Erfahrungen des Tierhalters und seines Tierarztes.
Die Ergebnisse dieses Projekts zeigen, dass ein anderer Weg der Parasitenbekämpfung möglich ist, der sowohl für Tierhaltende als auch für die betreuenden Tierarztpraxen von Vorteil ist. Sie zeigen, dass angesichts einer Öffentlichkeit, die zunehmend für die Auswirkungen von Parasitenbekämpfungsmitteln auf die Biodiversität sensibilisiert ist, diese Schlussfolgerungen nur dazu ermutigen können, die Parasitenbekämpfung zu überdenken.
Autorin: Véronique Schneider SBS