Cerebral Malformations in Calves Presumed to Be Associated with an Outbreak of Bluetongue Virus Serotype 3 Infection
Autoren: Peter Lennart Venjakob, Sarah Schmidt, Patrick Hoch, Daniela Farke, Maximilien Lépine, Kernt Köhler, Walter Grünberg
Animals 2025, 15, 2359
Die Blauzungenkrankheit ist eine durch Gnitzen übertragene Viruserkrankung beim Wiederkäuer. Im Sommer 2024 sind in der Schweiz und Deutschland das erste Mal wieder Fälle von Blauzungenkrankheit beim Rind und Schaf aufgetreten. Bei der Mehrheit der Fälle wurde das Blauzungenvirus Typ 3 (BTV-3) nachgewiesen. Im Winter 2024/2025 wurden in der Praxis dann vermehrt neugeborene Kälber mit neurologischen Symptomen beobachtet (umgangssprachlich sogenannte Dummy Kälber). Der Verdacht bestand, dass sich die Kälber während der Trächtigkeit mit BTV-3 infiziert hatten und die Gehirnmissbildungen durch BTV-3 bedingt waren.
In dieser Studie wurden an der Universität Giessen in Deutschland 13 Kälber untersucht, welche mit neurologischen Symptomen im Winter 2024/2025 auf die Welt gekommen waren und positiv auf BTV-3 getestet wurden. Die Mütter der Kälber wiesen BTV-3-Antikörper auf. Keines der Kälber sprach auf die Behandlung mit verschiedenen Medikamenten an. Die Kälber wurden klinisch untersucht, sowie verschiedene Laboruntersuchungen und ein MRI durchgeführt. Die Tiere wurden aufgrund der infausten Prognose nach den Untersuchungen euthanasiert und anschliessend seziert.
Bei den Kälbern handelte es sich sowohl um Mutterkuhkälber als auch um Kälber von Milchviehbetrieben unterschiedlicher Rassen. Diese waren zwischen 3 und 70 Tage alt. Alle Kälber waren apathisch und wiesen einen reduzierten Allgemeinzustand auf. Mit Ausnahme von zwei Tieren waren alle steh- und gehfähig. Die Kälber zeigten jedoch beim Gehen eine Ataxie. Hauptbefunde der neurologischen Untersuchungen waren ein aufgehobener Drohreflex, ein ventrolateraler Strabismus und Propriodefizite an allen vier Gliedmassen. 4 von 13 Kälber wiesen für BTV charakteristische Maulhöhlenläsionen auf. Die Blutbefunde zeigten häufig eine Hypoproteinämie vermutlich infolge reduzierter Kolostrumaufnahme. Hauptbefunde der MRI-Untersuchungen waren Verlust von Gehirnsubstanz (Grosshirn) sowie eine Ausdehnung der Gehirnventrikel. Beide Befunde wurden auch bei der Sektion bestätigt. Im Gegensatz zum Grosshirn wiesen der Hirnstamm und das Kleinhirn keine Veränderungen auf. Durch Nachforschungen auf den Betrieben ging man von einer Infektion der Mütter mit BTV-3 zwischen dem 95. und 227. Trächtigkeitstag aus. In den Gehirnläsionen selbst konnte jedoch kein BTV-3 nachgewiesen werden. Trotzdem ist es wahrscheinlich, dass die Gehirnmissbildung bei den Kälbern durch eine BTV-3-Infektion verursacht worden sind. Eine Behandlung der Gehirnmissbildungen ist nicht möglich. Die einzige Möglichkeit in Zukunft solche Fälle zu verhindern, besteht in der Vorbeugung der Übertragung des Virus während der Trächtigkeit auf das Kalb. Ob eine Impfung dazu führt, dass die Übertragung von Kuh zu Kalb verhindert wird, ist noch erwiesen. Die Erfahrungen aus der Praxis zeigen jedoch, dass seit der Impfung viel seltener Dummy Kälber auf die Welt kommen und die Impfung vermutlich einen Schutz bietet.
Autorin: Christina Widmer RGS