In den letzten Jahren ist die Reduktion von Phosphor in der Rindviehfütterung aufgrund von Umweltaspekten und begrenzten Ressourcen immer mehr in den Fokus gerückt. Futtermittelanalysen geben an, wie hoch die Phosphorgehalte im Grundfutter sind und welches Mineralfuttermittel sich zur Ergänzung eignet. Die Bedarfsempfehlungen liegen bei laktierenden Kühen je nach Leistung zwischen 3 und 4 g Phosphor/kg Trockenmasse (TM) und in der Galtphase bei 2 g Phosphor/kg TM. In den meisten Regionen wird der Bedarf bereits über das Grundfutter gedeckt. Eine übermässige Phosphorversorgung sollte aufgrund von Umweltaspekten vermieden werden. Auch haben hohe Phosphorgehalte in der Galtfütterung negative Folgen für die Tiergesundheit.
Immer wieder wird bei festliegenden Kühen, welche nicht auf die Therapie mit Kalzium ansprechen, ein niedriger Phosphorgehalt im Blut festgestellt. Mittels Blutproben kann nur eine Aussage über die kurzfristige Phosphorversorgung gemacht werden und keine Aussagen über die längerfristige Versorgungslage, denn weniger als 1 % des Gesamtphosphors befindet sich im Blut. Ein tiefer Phosphorwert im Blut weist somit nicht auf eine längerfristige Unterversorgung mit Phosphor über die Fütterung hin, sondern kann auch durch eine aktuell reduzierte Fresslust bedingt sein. Darüber hinaus gibt es keine Studie, die nachweist, dass es durch einen alleinigen Phosphormangel zu Muskelschwäche und Festliegen kommen kann. Denkbar ist, dass ein Phosphormangel in Zusammenhang mit anderen Faktoren zum Festliegen nach der Abkalbung beiträgt. Es sollte in diesen Fällen deshalb auch nicht geschlussfolgert werden, dass die Ration mit mehr Phosphor ergänzt werden muss. Gerade in der Galtphase haben hohe Phosphorgehalte sogar negative Effekte auf die Tiergesundheit. Bereits bei einer Galtration mit 3 g P/kg TM kommt es zu nachteiligen Effekten auf den Kalziumhaushalt um die Geburt. Eine restriktive Fütterung mit Phosphor während der letzten Wochen der Trächtigkeit senkt das Risiko für Hypokalzämien. Anfangs Laktation führt eine phosphatarme Fütterung jedoch zu einer reduzierten Futteraufnahme und die oben genannten Bedarfsempfehlungen sollten nicht unterschritten werden.
Autorin Christina Widmer RGS